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In keinem Fall. Nirgends.Ein fiktives Zusammentreffen von A. Willenbacher und F. SchornickEin Saal. Gezeichnet von graziler Einfachheit, Eleganz der 70er. Menschen, zwanglos über den Raum verteilt, wie das Gestühl, in schöner Anordnung. Einer, Schornick, geschlagen mit diesem überscharfen Gehör, flieht unter Vorwänden, die man nicht durchschauen darf. Ziellos, scheint es, stürzt er in den Innenhof. Die Frau, Willenbacher, in einen engen Zirkel gebannt, nachdenklich, zittrig vor Hunger, brodelnd unter dem Zwang, schweigen zu müssen. Daß sie sich getroffen hätten: erwünschte Legende. Lauthalses Gelächter. Unangenehme Gestalten, ihre Worte drängen in ihr Ohr. Linkerhand die Fensterreihe, Aussicht auf den sonnenüberfluteten Innenhof, vereinzelnd stehende Oberstufenschüler, heitere Stimmung, balzende Enten. Die Willenbacher, überempfindlich gegen das Licht und den kalten, eindringenden Hauch des Windes, bedeckt die Augen mit der Hand, tritt hinter den roten Vorhang von schwerem, staubigen Stoff. Was für eine vorzügliche Einrichtung, daß die Gedanken nicht als sichtbare Schrift über uns're Stirne laufen! Leicht würde jedes Beisammensein zum Mördertreffen. Höflich bleiben und schweigen, nur diese kurze Zeit! Wie mir zu Mute ist, geht keinen was an, wo ich nicht bin, da ist das Glück. Daß ich mich nicht unter sie mischen kann, Worte penetrant und beharrlich, es sind die meinen, doch keines verrät ihnen wer der stumme Fremdling in ihrer Mitte in Wirklichkeit sei. Schornick fängt Blicke auf, die ihn erbittern. Ein unsichtbarer Kreis ist um sie gezogen, den zu übertreten man sich nicht traut. Zu Verstellung und Entgegenkommen fehlt mir ein für allemal die Lust. Ich fühle zu nichts Neigung, was sie behaupten, ihre Forderungen, Gesetze und Zwecke kommen mir allesamt so verkehrt vor. Endlich. Man bittet zum Tee. Ein leichtes Widerstreben durchfährt den Leib der Willenbacher, ein Ekel erfüllt sie - bevorzugt sie momentan doch eher die herzhafte Küche. Doch trotzdem greift sie nach den süßen Köstlichkeiten. Manchmal denkt sie, sie brauche doppelt soviel Nahrung wie andere Menschen, als verwende ihr Körper einen Vorrat für heimliche Zwecke. Schornick tritt ein, empört von der Ausgelassenheit und Disziplinlosigkeit eines Ortes, der Ordnung verlangt. Mit schweifendem, starren Blick beobachtet die Willenbacher die anwesenden Personen, sie beherrscht die Kunst der Verstellung. Ihr Atem stockt. Ich weiß, ich bin unter ihnen nicht heimisch. Meine Natur ist ihnen unheimlich, weil sie ihnen Rätsel aufgibt. Zehn Minuten ist sie hier, und schon möchte sie fort, sie fühlt den Sarkasmus in ihr aufsteigen, der diesem Zwang gewöhnlich folgt. Ihr Blick trifft auf den des Schornick. Auch einer, der sich zu ernst nimmt. Gedankenverloren setzt sie die prunkvolle altrosa Tasse aus der Cafeteria ab. Schornick, in Bedrängnis, der Schweiß bricht ihm aus. Seine Stimmung schlägt um, das kennt er. Große Schritte nehmend stürzt er, ungewohnt theatralisch zum Sitzplatz Willenbachers. Voller Zorn und zutiefst erbost stürmt es aus ihm heraus: "Aha, das sind also ihre Kaffeeflecken auf dem Tisch da!" Sekunden später wünscht er sich dringlich er hätte geschwiegen, es rächt sich immer aus sich herauszugehen. Ihr sonst so friedfertiges wortkarges Gemüt erhitzt sich. Eine Frechheit, was ein Mann sich so ohne weiteres gegen eine Frau herausnehmen darf. Zuspruch bei einem Wahnsinnigen suchen - das läge ihr fern. Desweiteren: wie konnte er sich anmaßen, ihre friedliche Nahrungsaufnahme zu stören! Krümel aus ihrem Mundwinkel fallend, richtet sie sich blitzartig auf, um ihm anschließend, leicht wie eine Feder und zugleich gefährlich wie eine Raubkatze, an die Gurgel zu fahren. Sich in sein lichtes Haupthaar krallend, erkennt sie die tiefgründige Panik in seinen Augen, als sie ihn rasend wie eine Furie ankrächzt: "Blas mir doch die Socken auf!" Er fühlt sich bleich werden, wieder die Schwäche in seinen Beinen. In wilder Hast, sich ihrer entledigend, stürzt Schornick unter verwunderten Blicken anderer aus dem Saal und verschwindet eiligst in dem Raum mit der güldenen Aufschrift "Herren". Sie indes kommt wieder zur Ruhe und begibt sich damenhaft zurück auf ihren Platz, nachdem sie in einem Anflug von "Appetit" die Platte mit den Häppchen leer fegte. Mit den Tränen kämpfend, beschwört er sich selbst bis er erleichtert feststellt, daß sein Anfall sich dem Ende zuneigt. Hocherhobenen Hauptes tritt er den Rückweg in seine Gemächer an, in denen er die nötige Geborgenheit findet. Und sie sind doch verschieden ! Denise
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